Pensionierung unseres Mitgliedes Christian Raschle

Zug 32 Jahre lang war Christian Raschle Geschichtslehrer an der Kantonsschule.

Vergangenes bleibt für ihn weiterhin zentral.

 

Susanne Holz

redaktion@zugerzeitung.ch

 

Vor wenigen Tagen hat Christian Raschle einen letzten Blick auf sein leer geräumtes Pult geworfen und seinen Schlüssel abgegeben – 32 Jahre lang hat er als Hauptlehrer für Geschichte an der Kantonsschule Zug gearbeitet. Per Ende Juli erfolgte nun seine Pensionierung als Staatsangestellter. In ein Loch fällt der vielseitig Talentierte deshalb nicht. Seine Empathie fürs Unterrichten, sein geschichtliches Interesse, das über die Lehrtätigkeit hinausreicht, und nicht zuletzt seine der Gesellschaft verpflichtete Geisteshaltung ermöglichen dem Zuger Stadtarchivar einen sanften Ausstieg aus dem Lehrberuf. «Es ist keine Pensionierung von hundert auf null», sagt der 64-Jährige, der vorerst noch als Stadtarchivar amten und auch weiterhin durch die Stadt führen wird. Hinzu kommen seine Tätigkeiten als Autor und Publizist, als Reiseleiter und als Hauptansprechpartner für die österreichische Partnerstadt Fürstenfeld. Kein Wunder, dass der frisch pensionierte Lehrer nicht damit rechnet, künftig ohne Rhythmus und Struktur zu leben – ein bisschen mehr Freiheit darf aber schon sein.

 

Er will «weiter nützlich sein»

Gemeinnützig denkt der Neupensionär, der auch schon über die Ausgewogenheit dieser Zeitung wachte – als Teil des Leserschaftsrates, nach wie vor: «Für eine Gesellschaft ist es wesentlich, der Bildung Ressourcen bereitzustellen. Und wir Lehrer sollten der Öffentlichkeit etwas zurückgeben, den Elfenbeinturm Kanti aufbrechen, beispielsweise auch mal an der Volkshochschule unterrichten. Die Schule wird von der Frau oder dem Mann auf der Strasse bezahlt.» Er selbst will seinen Kolleginnen und Kollegen weiter nützlich sein: «Ich werde gerne das eine oder andere einbringen, ohne jemandem etwas aufzuzwingen. »

 

Museumspass als Geschenk

Seinen Abschied Anfang Juli hat der gebürtige Chamer, der in Zug aufwuchs und seine Matura dort machte, wo er später selbst unterrichten sollte, als sehr schön empfunden. «Für mich hats gestimmt », sagt Raschle. «Ich hatte drei Maturaklassen, und wir haben miteinander die Zeit an der Kantonsschule abgeschlossen. Wir haben uns gegenseitig alles Gute gewünscht und Adieu gesagt.» Von der Fachschaft Geschichte bekam er einen Museumspass für die Schweiz geschenkt, was den ambitionierten Historiker sehr freute. Ein weiteres Geschenk machten ihm seine Kollegen mit der Aussage: «Deine Ideen leben weiter.» Will heissen, man wird auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit dem Zuger Staatsarchiv pflegen sowie lokale und regionale Quellen studieren. Als Stadtarchivar sass und sitzt Christian Raschle an der Quelle dieser Quellen. 1981 wurde er Lehrer an der Kantonsschule, 1982 Zuger Stadtarchivar – und konnte fortan eine Brücke zwischen den beiden  Berufen schlagen. Zu 50 Prozent war Raschle als Lehrer angestellt, zu 50 Prozent ist er es als Stadtarchivar. «Gearbeitet habe ich zusammengenommen immer über 100 Prozent», erklärt der Historiker gelassen. «Macht man eine Arbeit gern, dann zählt man nicht die Stunden.» Aber manches Mal dafür die Menschen: Als der neue Archivar gerade seinen Job angetreten und mit Vorgänger Albert Müller das Pflichtenheft studiert hat, wird klar, dass er noch am selben Tag seine erste Stadtführung machen muss – unvorbereitet. «Es war ein wunderschöner Abend», erzählt Raschle, «aber es erwartete mich eine riesige Gruppe: 90 Frauen, Sportlerinnen. » Der junge Stadtarchivar muss die Führung gut hinbekommen haben, denn Vreni  Landtwing, Kopf der damaligen Sportlerinnen, nahm sich sogleich ein Beispiel an ihm und ist heute Präsidentin des Vereins für Stadtführungen.

 

Intensivere Freundschaftspflege

So plötzlich, wie aus dem Zuger ein passionierter Stadtführer wurde, so klar vorgezeichnet war seine Berufswahl des Lehrers. Schon als Gymnasiast habe er diesen Wunsch gehegt, blickt der 64-Jährige zurück. Und meint: «Ich würde wieder Lehrer werden.» Vielseitig sei dieser Beruf, spannend, er verlange viel persönliches Engagement und gebe einem viel zurück. Man sehe die Schüler gross werden – manchmal entstünden sogar Freundschaften. Eine intensivere Freundschaftspflege – im In- wie im Ausland – ist eines der Dinge, auf die sich der Pensionär nun freut. Ein Weiteres ist die neu gewonnene Musse fürs Fernweh – die erste Reiseleitung im Ruhestand wird ihn und seine Frau nach Krems und in die Wachau führen.

 

(Neue Zuger Zeitung, 8.8.2013)