Zuger helfen Zugern: Gründerin Rosa Kolm wird ausgezeichnet

Die Zugerin Rosa Kolm gründete vor sieben Jahren den Verein Zuger helfen Zugern. Nun erhielt sie den Kiwanispreis.

Artikel in der Zugerzeitung vom 5.10.2020, Cornelia Bisch

Rosa Kolm hat selbst harte Zeiten erlebt. Mit der Gründung von “Zuger helfen Zugern” will sie anderen in ähnlicher Situation helfen. (Bild: Matthias Jurt, Cham, 30. September 2020)

Aus der eigenen Not heraus gründete Rosa Kolm im Dezember 2013 den Verein Zuger helfen Zugern. Es handelt sich dabei um eine Facebook-Plattform, auf der man schenken, tauschen und helfen kann. Angeboten werden Dienstleistungen, Transporte, Informationen oder materielle Hilfe.

Der Solidaritätsgedanke spielt dabei eine entscheidende Rolle. “Der Verein Zuger helfen Zugern hat das Ziel, Nachbarschaftshilfe, Nächstenliebe und Nachhaltigkeit unkompliziert zu organisieren und damit zu fördern”, heisst es auf der Homepage des Vereins.

Kürzlich wurde Rosa Kolm der mit 10’000 Franken dotierte Kiwanispreis 2020 für ihre Freiwilligenarbeit überreicht.

Alles kam wieder hoch

“Ich wusste zwar, dass man mich gemeldet hatte, rechnete aber nicht im Traum damit, den Preis auch zu gewinnen”, gesteht Kolm. Im ersten Moment habe sie es kaum glauben können und sei sprachlos gewesen. “Natürlich habe ich mich riesig gefreut, und ich bin dem Kiwanis Club sowie all unseren Spendern sehr dankbar.” Obwohl sie nicht so gerne im Mittelpunkt stehe, sei es schön für sie zu sehen, dass die eigene Freiwilligenarbeit auch wahrgenommen werde. Diese ist beträchtlich. “Von den rund 2’000 Stunden jährlich leiste ich 1’350 selbst”, rechnet die 54-Jährige vor.

Die übrige Zeit investieren ihre zwölf Mitarbeiterinnne, die weitere Regionalgruppen in Luzern, Schwyz, Uri, Unterwalden und im Aargau unterhalten. Mit ihnen will Kolm den erhaltenen Preis teilen. “Es freut mich aber vor allem, dass unser Verein damit ein wenig bekannter wird und vielleicht den einen oder andern Gönner dazu gewinnt.” Denn auf diese ist “Zuger helfen Zugern” angewiesen.

Die Laudatio anlässlich der Preisübergabe in Bern hielt Regierungsrat Martin Pfister. Dies sei ein sehr emotionaler Moment für sie gewesen, gesteht Rosa Kolm. “All die beklemmenden Gefühle von früher sind wieder hochgekommen.” Sie spricht von damals, als ihre Kinder noch klein waren und das Geld kauf reichte, um sie zu versorgen. “Gegen Ende des Monats musste ich manchmal mit nur drei oder vier Franken im Portemonnaie fürs Wochenende einkaufen gehen.”, erinnert sich die alleinerziehende, dreifache Mutter.

Facebook als Tor zur Aussenwelt

”Wenn man kein Geld hat, bleibt man zu Hause. Die Sozialen Medien bilden quasi das Tor zur Aussenwelt.” Kolm beobachtete die Aktivitäten verschiedener Tauschgruppen auf Facebook. “Leider war nichts Regionales dabei.” Da habe sie beschlossen die Facebook Plattform für Zug zu gründen. Darauf wird inzwischen fast alles angeboten: Kleider, Haushaltsgeräte, Möbel und sogar Wohnungen. “Man bekommt aber auch PC-Support oder tauscht Kenntnisse in allen möglichen Bereichen aus”, so Kolm.

Sie hat sich nie selbst bedient

Wenn jemand rasch und unbürokratisch finanzielle Unterstützung braucht, kann er beim Verein Einkaufsgutscheine beantragen. “Das ist unsere Soforthilfe”, erklärt Kolm. Natürlich sei denkbar, dass im einen oder anderen Fall jemand unehrlich sei. “Ueberprüfen kann ich das nicht. Aber die meisten Leute erzählen mir ihre Geschichte, und ich denke, zu 99 Prozent leiden sie wirklich Not.”

Obschon sie selbst bei der Gründung des Vereins vor sieben Jahren manchmal Soforthilfe nötig gehabt hätte, hat sch Rosa Kolm diese nie zugestanden. “Das wäre mir nicht recht gewesen”, sagt sie bescheiden. Aber natürlich habe sie durch Kleider- oder Möbelschenkungen auch profitieren können.

Erfolg weckt jedoch bekanntlich auch Neider. Rosa Kolm berichtet von Kritik, die jüngst in anderen Facebook-Foren über sie geäussert worden sei. Sie würde bloss das Geld anderer Leute verschenken und bediene sich selbst davon, anstatt selbst arbeiten zu gehen. “Das ist einfach nicht wahr und sehr ungerecht. Ich arbeite sehr wohl für den Lebensunterhalt meiner Familie und habe mich noch nie selbst bedient.” Aber von solchem lässt sich die starke Frau nicht einschüchtern. Sie tut, was sie immer getan hat, sie macht einfach weiter.